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Dieser Artikel entstand bei einem spontanen Wuppertal-Besuch und spiegelt unsere Vorstellung von Content + Design. Die Macher und ihre Ideen stehen im Vordergrund und trotzdem gibt es Raum für eine kleine Geschichte, die den Zusammenhang verständlich erzählt.

Vom Garn zum Hemd – Textilgeschichte Live

„Vorgestellt werden die diversen sich wandelnden handwerklichen, halbmechanischen und maschinellen Verfahren der Herstellung eines textilen Gewebes von der Naturfaser bis zum fertigen Produkt. Vor allem die für das Wuppertal typischen textilen Techniken: Bleichen, Spinnen, Weben und Flechten.“

„In seiner Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ beschrieb Friedrich Engels die industrielle Revolution in England. Er hatte einen geschärften Blick dafür, denn auch das Bergische Land, seine Heimat, befand sich in einer frühindustriellen Entwicklungsphase….“ „Die historischen Ausstellungen im Engels-Haus und im Museum für Frühindustrialisierung vermitteln das Werk von Friedrich Engels vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Industrialisierung im Wuppertal zwischen 1750 und 1900.“
Quelle: www.friedrich-engels-haus.de/


Das Engels-Haus in Wuppertal, links die Plastik von Alfred Hrdlicka „Die starke Linke“. Quelle: http://www.frisolda.at/reisen.html

Eingangstür zum Engelshaus
Eingangstür zum Engelshaus
Sitzecke im Eingangsbereich
Sitzecke im Eingangsbereich
Raum im Erdgeschoß
Raum im Erdgeschoß

Friedrich Engels, Briefe aus dem Wuppertal

Engels-Sondermarke der Deutschen Bundespost 1970

„…. Zuvörderst trägt das Fabrikarbeiten sehr viel dazu bei. Das Arbeiten in den niedrigen Räumen, wo die Leute mehr Kohlendampf und Staub einatmen als Sauerstoff, und das meistens schon von ihrem sechsten Jahre an, ist grade dazu gemacht, ihnen alle Kraft und Lebenslust zu rauben. Die Weber, die einzelne Stühle in ihren Häusern haben, sitzen vom Morgen bis in die Nacht gebückt dabei und lassen sich vom heißen Ofen das Rückenmark ausdörren. Was von diesen Leuten dem Mystizismus nicht in die Hände gerät, verfällt ins Branntweintrinken.“ „Die reichen Fabrikanten aber haben ein weites Gewissen, und ein Kind mehr oder weniger verkommen zu lassen, bringt keine Pietistenseele in die Hölle, besonders wenn sie alle Sonntage zweimal in die Kirche geht.“
Quelle: Friedrich Engels, Briefe aus dem Wuppertal, geschrieben im März 1839 | https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels

Das Museum für Frühindustrialisierung

Die Wuppertaler Textilindustrie entwickelte sich aus der Bleiche. Grüne Wiesen, von Bächen durchzogen, sorgten für hohe Luftfeuchtigkeit. In Kombination mit dem kalkarmen Wasser waren das ideale Bedingungen. War kein Bach vorhanden, errichtete man Schöpf-Räder an der Wupper. Durch den vom grünen Rasen freigesetzten Sauerstoff wurde das aufgequollene Bleichgut immer weiter gereinigt und entfärbt und nach aufwendigen Prozessen gebleut. Seit dem 14. Jahrhundert kamen Textilien aus Leinengarn in Mode. Mit der Spindel wurden die Flachsfasern zu einem langen, geschmeidigen und trotzdem reißfesten Faden zusammengedreht. Das im 15. Jahrhundert entwickelte Flügelspinnrad erleichterte das Drillen und Aufwickeln in einem Arbeitsgang. Um einen Webstuhl mit Garn zu versorgen, waren drei bis vier Spinnräder notwendig.

Typische Baumwoll- oder Baumwoll- Leinenmischgewebe zeigen den „Doppelstein“ mit einem blau/weißen Würfelmuster. Der „Doppelstein“ war ein Exportschlager, der als Sklavenkleidung nach Übersee verkauft wurde.

Handwebstühle wurden bis Ende des 19. Jahrhunderts industriell eingesetzt. 1785 erfand Edmund Cartwright den ersten mechanischen Webstuhl. 1805 stellte der französische Mechaniker Jacquard einen Webstuhl vor, der komplexe Muster von Tieren und Pflanzen, aber auch Vereinswappen mit Schriften mechanisch herstellen konnte. Bei diesem Webstuhl kann jeder Kettfaden einzeln gehoben werden. Das Muster wurde auf Lochkarten gestanzt. Jacquards Musterwebstuhl ersetzte die Nockenwalze durch das Endlosprinzip der Lochkartensteuerung.

Mit dem gußeisernen Ofen wurde es möglich, jeden Raum im Haus separat mit Steinkohle zu beheizen. Der Rauch wurde durch ein Ofenrohr direkt durch die Wand ins Freie geleitet.

Gefärbte Garne werden zur Erzeugung von Mustern beim Weben von Tuchen und Bändern benötigt, sowie auf der Flechtmaschine..

Baumwollspinnerei mit Baumwollballen und einer Filmvorführung zur fortschreitenden Industriealisierung.

Quelle: www.die-bergischen-drei.de/industriekultur-und-landschaft/museen-und-schauplaetze/historisches-zentrum-wuppertal.html Foto: Peter Frese
„Die fortschreitende Industrialisierung führte bereits in den 1830er und 1840er Jahren im Wuppertal zur Massenverelendung der ‚arbeitenden Klassen‘. Nach dem Muster des Elberfelder Systems wurde fast jeder fünfte Einwohner um 1850 unterstützt. Etwa 18 % der Bevölkerung lebten unter dem Existenzminimum. Hunger war alltäglich, die hygienischen Verhältnisse in den Elendsvierteln waren katastrophal.“ „Die Kinderarbeit nahm in der frühindustriellen Phase stark zu und stieg bis etwa 1890 auf ihren höchsten Stand. Die Gründe für Kinderarbeit waren bis heute: Armut, fehlende Bildung, Profitgier. Auch die Kirche fand keine effektive Lösung der sozialen Frage. Allein durch fromme Lebensführung waren die materiellen Probleme der Arbeiter und Handwerker nicht zu verbessern.“

Quelle: http://www.friedrich-engels-haus.de/mf/DE/dauerausstellung/index.php
Das Museum ist ein Kleinod unter den Industriemuseen mit einer liebevoll detaillierten Gesamtausstellung, die auch vor der Darstellung sozialer Konflikte mit Kirche und Kapital nicht zurückscheut.
F. Spiecker

Historisches Zentrum Wuppertal
Engelsstraße 10
42283 Wuppertal
www.historisches-zentrum-wuppertal.de
Telefon: +49 (0) 202 / 5 63 43 75

Öffnungszeiten
Dienstags bis sonntags: 10.00–18.00 Uhr

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